Digitaler Weckruf ist in Hemer angekommen

29.01.2020: Erste Maßnahmen sind umgesetzt. Hochschullehrer Markus Burkat hofft darauf, dass die Stadt ihre Chancen sieht. Um den Weg einer möglichst weitreichenden Digitalisierung kommt eine Kommune nicht herum.

Viele Bürger wünschen sich, den Weg über den Rechner nehmen zu können, um Dienste der Stadt zu beanspruchen.

Auch in der Stadt Hemer ist der digitale Weckruf längst angekommen, und man hat sich aufgemacht, durch Digitalisierung nicht nur bürgerfreundlicher zu werden, sondern auch die Arbeitsabläufe innerhalb der Verwaltung zu optimieren. Dabei spielt auch das Schonen von Ressourcen eine große Rolle.

Der Hemeraner Markus Burkat ist Hochschullehrer an der Hochschule für Polizei und öffentliche Verwaltung, und das Thema Digitalisierung in der öffentlichen Verwaltung ist zu seinem Spezialgebiet geworden. Er kennt sich aus und hat bereits ein großes Projekt für den Hochsauerlandkreis umgesetzt. Er bemerkt aktuell, dass der Prozess der Digitalisierung in den Kommunen an manchen Stellen hakt oder nicht engagiert genug vorangetrieben wird. Zusammen mit seinen Studenten hat er sich die Homepage der Stadt Hemer vorgenommen und sie von den Studenten bewerten lassen. Die Note drei sei die beste Bewertung gewesen, die Hemers Internetauftritt erhalten habe.


Service-Elemente durch Apps und freiwillige Leistungen

„Es werden in vielen Kommunen und auch in Hemer Chancen verpasst“, sagt Markus Burkat und nennt auch gleich ein paar Beispiele. Da geht es vor allem um Bürgerfreundlichkeit. „Es ist schön, wenn man sich den Abfallkalender anschauen und ausdrucken kann. Aber schöner wäre es, wenn man ihn direkt in den eigenen E-Kalender übertragen könnte“, so der Fachhochschullehrer. Mitarbeiter könnten auf der Homepage nicht direkt angeschrieben werden, statt dessen bekäme der Bürger nur eine Telefonnummer. Zudem vermisst Burkat Service-Elemente durch freiwillige Leistungen und Apps. Lobend erwähnt der Hemeraner Homepages von Kommunen, die zum Beispiel einen Routenplaner anbieten, der genau sagt, mit welchem Verkehrsmittel man zum gewünschten Zeitpunkt von A nach B kommt. „Zudem fände ich eine Plattform gut, in der zum Beispiel Mitfahrgelegenheiten angeboten werden. Weitere Themen könnten auch Hilfe für Senioren oder Tierbetreuung sein“, so Markus Burkat. Er wünscht sich, dass Hemer in Sachen Digitalisierung mehr aufs Gaspedal drückt.

Hemers Beigeordneter und Kämmerer Sven Frohwein ist der Ansicht, dass in Hemer durchaus etwas in Sachen Digitalisierung geschehe, das aber wausbaubar sei. „Digitalisierung wird mit den Menschen gemacht. Nicht jeder Prozess ist nur aus dem Grund besser, weil er digital ist. Insofern müssen die Gesamtprozesse zwischen der Stadt Hemer als Anbieter und dem Bürger überdacht werden.

Mit moderner, elektronischer Kommunikation sollen Bürgerinnen und Bürger und die Kommune schneller und besser zueinander finden. Wenn der Gesamtprozess zum Beispiel bei der Antragsannahme und Bearbeitung eines KTE-Platzes dann auch schlank in der Verwaltung im Fachverfahren bearbeitet werden kann, ist dieser optimal und digital“, erläuterte Frohwein. Es müsse anfangs zunächst mehr Aufwand betrieben werden, bis sich ein flächendeckender Vorteil einstelle.


Im Optimalfall ein Verbund mit anderen Städten

Generell sollten seiner Meinung nach digitale Anwendungen im Idealfall im Verbund mit anderen Städten über die Südwestfalen-IT entstehen, um Insellösung zu vermeiden. Dabei gehe es auch um die Vereinheitlichung von Angeboten innerhalb eines Prozesses und dessen äußeren Erscheinungsbildes.

„Anders ist das Mammutprojekt Digitalisierung nicht finanzier- und umsetzbar“, so der städtische Kämmerer und nennt direkt das Ziel: „Nichtsdestotrotz sollen Serviceanwendungen massiv ausgebaut werden, aber es gilt auch, dass kein Bürger und keine Bürgerin gezwungen wird, diese digitalen Prozesse zu nutzen. Wer lieber persönlich bei seinem Anliegen unterstützt werden möchte, dem steht die Rathaustür auch in Zukunft immer offen.“

Das Angebot an Onlineservices im Serviceportal der Stadt wird laufend ausgebaut. Vorrangig werden dabei stark nachgefragte Dienstleistungen „onlinefähig“ gemacht.

Während einerseits die Hemeraner Stadtverwaltung selbst bemüht ist, einfachere Antragstellungen über die sogenannten Ausfüllassistenten online möglich zu machen, arbeitet die SIT zentral an der Entwicklung von komplexeren Services, die auch Schnittstellen zu den städtischen Fachverfahren beinhalten.

Bisher können von den Bürgern online Urkunden angefordert werden, es gibt einfache Melderegisterauskünfte und Meldebescheinigungen, aber es kann zum Beispiel auch eine Statusabfrage für den Reisepass erfolgen. Das Ratsinformationssystem ist seit längerer Zeit online, und man kann auf elektronischem Wege die Abfuhr von Grünschnitt, Sperrmüll oder Elektrogroßgeräte beantragen.


Abfallkalender mit Erinnerungsfunktion

In diesem Jahr soll den Bürgern noch ein individueller Abfallkalender mit Erinnerungsfunktion zur Verfügung stehen. Auch geplant ist die Möglichkeit der Online-Anhörung in Ordnungswidrigkeitsverfahren, und auch Parkknöllchen sollen noch dieses Jahr online bei der Stadt Hemer gezahlt werden können. Ab 2021 sollen Bauanträge online gestellt werden können.

Elektronische Personalakten, Bauakten und auch Steuerakten sollen in diesem Jahr noch für die Hemeraner Stadtverwaltung angelegt werden.

Quelle: IKZ Hemer