Seit mehr als 30 Jahren versorgt der Rotor den Betrieb mit Strom

Erstes Windrad Südwestfalens

Der Garten- und Landschaftsbauer Klaus Hölcke aus Hemer produziert seit gut 30 Jahren den Strom für seinen Betrieb selbst. Mit der ersten Windkraftanlage Südwestfalens.

Mit nur 36 Metern Höhe ist es ein recht kleines Windrad, das aber den gesamten Betrieb mit Strom versorgen kann. Im Interview sprechen wir mit Klaus Hölcke über seine Idee, den Gegenwind der Behörden damals und wie es mit dem Windrad weitergeht. Klaus Hölcke hat 17 Jahre lang hat bei Behörden für eine Baugenehmigung für das Windrad gekämpft. Er wünscht sich mittlerweile, dass er viel mehr gebaut hätte und hat viele Vorträge zum Thema Windkraft gehalten.

Am Mittwoch, 03.03.21 ist Klaus Hölcke ab 19.30 Uhr live in der Lokalzeit Südwestfalen zu Gast.
 

WDR: Herr Hölcke, wann entstand die Idee zum Windrad? Vorbilder gab es damals ja kaum.

Klaus Hölcke: Als ich 13 Jahre alt war, war das Betriebsgelände schon im Aufbau. Schon damals ist mir klar geworden, dass Atomstrom keine gute Idee ist, weil man einfach nicht weiß, wohin mit dem Müll. Solarenergie gab es damals praktisch noch nicht, also habe ich mich intensiv mit Windkraft beschäftigt. Denn mein Strom muss ja irgendwo herkommen.

WDR: Hatten Sie Schwierigkeiten, eine Baugenehmigung zu bekommen?

Hölcke: Eigentlich nur (lacht). Die Bauanfragen wurden 17 Jahre lang immer wieder abgelehnt oder es gab neue Auflagen für Windräder. Irgendwann gab es dann vom Land ein Projekt für Windkraftanlagen mit selbstregelndem Energiespeicher. Das waren neun Windkraftanlagen in NRW und wir waren eine davon.

WDR: Haben sich der Aufwand und das Dranbleiben gelohnt?

Hölcke: Natürlich bin ich froh, dass wir ein Windrad aufgestellt haben. Ich hätte aber fünf Stück bauen sollen (lacht). Ich habe ja einiges im Umweltschutz gemacht, aber ich wünschte, ich hätte viel mehr gemacht.

WDR: Und finanziell?

Hölcke: Ich habe das nicht gemacht, um damit Geld zu verdienen. Es war für mich eine Sache, um beispielhaft zu zeigen, dass man mit Windkraft vernünftig Strom produzieren kann. Als die Einspeisevergütung immer weiter gestiegen ist, war es sehr lukrativ. Als ich für mein Privathaus noch ein Blockheizkraftwerk gebaut habe, hatte ich nur 10 DM Stromkosten im Jahr, nämlich die Zählergebühr.

WDR: Im vergangenen Jahr haben Sie dann ein Schreiben bekommen, dass Sie nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz die funktionierende und bewährte Anlage abreißen müssen. Wie haben Sie reagiert?

Hölcke: Das war für mich eine Katastrophe. Ich habe gedacht, jetzt ist alles zu Ende. Ein Windrad kann kaputt gehen. Solange es aber funktioniert ist für mich nicht nachvollziehbar, warum das politisch kaputt gemacht werden soll. Am Ende habe ich das große Glück gehabt, dass die Stadt Hemer das Stromnetz übernommen hat und ich das Windrad weiter betreiben kann.

WDR: Sie selbst sind von ihrem Windrad überzeugt. Konnten Sie damit auch bei anderen Menschen Interesse wecken?

Hölcke: Ich habe viele Menschen beraten über die Windkraft, habe viele Vorträge gehalten. Wie viele davon ein Windrad gebaut haben, weiß ich nicht. Aber ich denke schon, dass ich da einen Beitrag geleistet habe, dass die Windkraft in Deutschland weiter nach vorne gekommen ist.

WDR: Was meinen Sie, warum redet die Politik seit Jahrzehnten über Klimaschutz, packt aber nicht pragmatischer an, so wie Sie es getan haben?

Hölcke: Weil ich denke, dass Parteien in kurzen Zeiträumen denken müssen, von der Wahl bis zur nächsten Wahl. Der zweite Grund könnte sein, dass Lobbyisten fossiler Energieträger einen sehr, sehr guten Job machen. Und es erst jetzt ganz langsam durchsickert, dass wir dringend etwas für den Klimaschutz tun müssen.

Das Interview führte Claudia Roelvinck.

Quelle: WDR www1.wdr.de/nachrichten/westfalen-lippe/erstes-windrad-suedwestfalens-hemer-100.html

Seit mehr als 30 Jahren versorgt der Rotor den Betrieb mit Strom

Klaus Hölcke vor dem Zählerkasten