Ist Tunnel durch Duloh die Lösung?

20.09.2017: Überraschender Vorschlag bei Versammlung der Wirtschaftsinitiative Hemer. Mit einem kühnen Vorschlag hat Georg Verfuß für Aufsehen gesorgt. Der Vorsitzende der Wirtschaftsinitiative nutzte seinen Rechenschaftsbericht, den er am Montag im Rahmen der Mitgliederversammlung im Alten Casino hielt, für eine Überraschung.

Vorsitzender Georg Verfuß

Der Duloh und die angrenzenden Gewerbegebiete. Gelb eingezeichnet der Verlauf des Tunnels (gestrichelt) und der Anschluss zur Eisenbahnschleife (r.) Oben der Anschluss an Autobahn und B7 in Bilveringsen.

Einzelhandelsausschussvorsitzender Rainer Wiesemann

Schatzmeister Jörg Kötter

Kassenprüferin Verena Grothe

Bürgermeister Michael Heilmann

Unternehmensberater Heinz-Josef Nötges

Verfuß projizierte eine Luftaufnahme des Duloh und des angrenzenden Gewerbegebiets Eisenbahnschleife auf die Leinwand. In das Foto hatte er Straßentrassen für eine ganz neue Erschließung des Gebiets eingezeichnet. Die Grundidee: Vom Autobahnende in Bilveringsen führt eine Straße durch einen Tunnel unter dem Duloh hernach Süden zum Gewerbepark Corunna auf Iserlohner Stadtgebiet. Von dieser Straße aus wäre es ein Leichtes, auch die Eisenbahnschleife mit anzuschließen, erläuterte Georg Verfuß den überraschten Mitgliedern der Wirtschaftsinitiative seinen Vorschlag.
Die auf den ersten Blick enormen Baukosten für einen solchen Tunnel möchte Verfuß dadurch vergleichsweise niedrig halten, indem die Straße nicht in einem „gebohrten“ Tunnel verläuft, sondern in offener Bauweise angelegt wird. Das hieße: Es wird ein riesiger Graben ausgehoben, in dem dann die Straße und das Tunnelgewölbe gebaut werden. Anschließend könnte der Graben wieder verfüllt und die Fläche renaturiert werden.
Zuvor hatte Georg Verfuß beklagt, dass die jetzige Erschließung des Gewerbegebiets durch das Wohngebiet an der Lohstraße für alle Beteiligten eine Zumutung sei. Die Anwohner leiden bekanntlich unter dem Schwerverkehr, die Betriebe sehen ihre Entwicklungsmöglichkeiten eingeschränkt. Pläne der Stadt Hemer, die Eisenbahnschleife von Westiger Seite aus zu erschließen, sind bereits vor Jahren vor allem aus Kostengründen, aber auch wegen ungeklärter Grundstücksfragen in der Schublade verschwunden.
Die Idee für diese Tunnellösung sei ihm gekommen, als er wieder einmal nach der Abfahrt von der A 46 vor auf den Hang des Duloh geblickt und gedacht habe: Wäre es nicht die Lösung, jetzt einfach geradeaus weiterfahren zu können, so Georg Verfuß nach der Versammlung zur Heimatzeitung. Er könne zwar die tatsächlichen Kosten für ein solches Projekt nicht wirklich abschätzen, da er kein Straßenbauer sei, aber er vermute, dass der Tunnel zumindest nicht teurer werde als die alten Erschließungsvarianten. Außerdem sei dies ein Projekt, das die Städte Hemer und Iserlohn im Zuge interkommunaler Zusammenarbeit gemeinsam anpacken könnten, da beide von einer solchen Straße enorm profitieren würden. Auch Bürgermeister Michael Heilmann zeigte spontan großes Interesse an der Idee von Georg Verfuß, und kündigte an, sie mit den Fachleuten im Rathaus zu erörtern.

Sorge um Leerstände in der Innenstadt
Ansonsten zog Georg Verfuß in seinem Bericht die Bilanz eines erfolgreichen, wenn auch unspektakulären Jahres. Er lobte die hervorragende Zusammenarbeit mit der Stadt Hemer, insbesondere der für Wirtschaftsförderung zuständigen Kirsten Staubach. In das Lob schloss Verfuß auch die von der Stadt vorgenommene Unternehmensbefragung und die daraus entstandene Broschüre ein.
Als ein dringendes Problem bezeichnete der Vorsitzende die zunehmenden Leerstände bei Geschäften in der Innenstadt. Verfuß schlug vor, die verwaisten Schaufenster für Ausstellungen und Präsentationen zu nutzen, um zumindest den äußerlichen Eindruck zu verbessen. Große Erwartungen verbindet die Wirtschaftsinitiative mit der Regionale 2022 sofern es gelingt, Hemer daran zu beteiligen.
Der Kassenbericht des Schatzmeisters Jörg Kötter wies für das Jahr 2016 um 20 000 Euro höhere Ausgaben der Wirtschaftsinitiative gegenüber den Einnahmen aus. Wobei vor allem jene 15 000 Euro zu Buche schlagen, die die Umrüstung der Weihnachtsbeleuchtung auf LED gekostet hat. Dennoch bleibt die Initiative handlungsfähig, verfügt sie doch noch immer über ein Vermögen von rund 40 000. Und der Haushaltsplan für 2017, der einstimmig verabschiedet wurde, sieht wieder eine ausgeglichene Bilanz vor – die geplanten Ausgaben von insgesamt 27 000 Euro sind durch die voraussichtlichen Einnahmen aus Mitgliedbeiträgen gedeckt.

Keine Überraschungen gab es bei den Vorstandswahlen. Sowohl Georg Verfuß als auch sein Stellvertreter Peter Meyer, Schatzmeister Jörg Kötter, Beisitzer Karl-Heinz Lenninghaus und der Einzelhandelsausschussvorsitzende Rainer Wiesemann, wurden sämtlich einstimmig wiedergewählt. Der bisherige Vorsitzende des Beirates, Joachim Mayer, habe sein Amt aus persönlichen Gründen niedergelegt, teilte Georg Verfuß mit Bedauern mit. Sein Nachfolger werde bei der nächsten Beiratssitzung gewählt.
Im Anschluss an die Versammlung verfolgten die WI-Mitglieder und weitere Gäste einen Vortrag des Paderborner Unternehmensberaters Heinz-Josef Nötges, der sich unter dem Titel „Anleitung zum Misserfolg“ humorvoll, aber kritisch und konstruktiv mit dem richtigen und falschen Selbstverständnis von Führungspersonen in Unternehmen auseinandersetzte.

Quelle: IKZ Reinhard Köster, Fotos Oliver Pohl